130 Fichten lösen Wachturm ab

Schorfheide (MOZ, Simon Rayß )
Der Feuerwachturm von Groß Schönebeck ist Geschichte. Was bleibt, ist eine kleine Schneise hinterm Ortsausgang Richtung Wildpark. Wer genauer hinguckt, sieht in der Erde kleine Fichten stehen. 130 junge Bäume in Reih und Glied: das Ergebnis einer Pflanzaktion von Groß Schönebecker Kindern.

Vorliebe fürs Grün: Alina Mitschke (l.) und Nele Rex setzen eine Fichte in die Erde.

Insgesamt hat die Groß Schönebecker Firma Horst Maaß Recycling 130 junge Bäume gesponsert. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald steuert Infomaterial bei.

Unter Anleitung: Lena Blankenburg, Ulf Wosnizek und Max Schenk (r.) pflanzen gemeinsam. © MOZ/Simon Rayß

Die Idee dazu ist dem Schorfheider Revierförster Ulf Wosnizek gekommen. „Im Zusammenhang mit dem Abriss haben einige Bäume Schaden genommen“, berichtet er am Freitag. Ersatz musste her. Also hat er die notwendige Pflanzung mit einem Unterrichtsausflug verbunden. „Die Kinder sollen einen Bezug zur Natur und zum Baum aufbauen“, sagt er.

Dabei ist die Fichte nicht irgendein Baum, sondern der aktuelle Baum des Jahres. Mit dieser Aktion macht ein gleichnamiges Kuratorium seit 27 Jahren auf eine andere Art aufmerksam. Diesmal handelt es sich dabei um eine, die alles andere als bedroht ist. In Deutschland ist die Fichte der am häufigsten auftretende Baum. „Sie liefert sehr gutes Holz“, erklärt Ulf Wosnizek. Meistens wird sie nach 80 bis 110 Jahren gefällt, eigentlich nur ein Bruchteil ihrer eigentlichen Lebenserwartung: „Die Fichte kann bis zu 600 Jahre alt werden“, sagt der Förster.

Dennoch macht sie in der Schorfheide nur 1,4 Prozent des Bestandes aus. Zum Vergleich: Die Kiefer kommt auf knapp 76 Prozent. Das hat einen guten Grund: „Das natürliche Verbreitungsgebiet der Fichte endet in der Lausitz“, sagt Wosnizek. Ganz einfach, weil der Nadelbaum deutlich mehr Niederschlag braucht, als durchschnittlich in Brandenburg fällt. Dennoch sei die Fichte standortgerecht, auch in der Schorfheide. „Sie kann als weitere Baumart mit eingebracht werden“, drückt es der Fachmann aus.

Genau das haben die Fünft- und Sechstklässler der Kleinen Grundschule von Groß Schönebeck am Freitag gemacht. Die 17 Schüler sind am ehemaligen Standort des Feuerwachturms angetreten – „in Arbeitskleidung und voller Vorfreude“, wie es die begleitende Mutter Luise Schenk ausdrückt, deren Sohn Max unter den Aushilfsförstern ist. „Weil wir auf dem Dorf leben, haben die Kinder viel Kontakt mit der Natur“, erklärt die Groß Schönebeckerin. Diese Vorliebe hat auch Lehrerin Andrea Kühn beobachtet: „Da gibt es einige, die generell sehr heimatverbunden sind“, sagt sie. „Die lieben ihren Wald und ihre Schorfheide.“

Auch Alina Mitschke hat ein Herz für Flora und Faune. Aber so einen Baum zu pflanzen, das ist auch für die Elfjährige neu. „Blumen hab ich schon gepflanzt, aber keinen Baum“, sagt sie, während sie gemeinsam mit der zehnjährigen Nele Rex eine junge Fichte in den Boden bringt. „Im Bio-Unterricht sind wir gerade bei Bäumen, das passt“, erklärt Alina.

Das Loch hat Waldarbeiter Helmut Nitschke vorher mit einer lautstarken Maschine in den Boden gebohrt. Nun halten sich Alina und Nele beim Pflanzen genau an die Instruktionen von Förster Ulf Wosnizek: schön gerade halten, aufpassen, dass die Wurzeln nicht verklemmen, das Erdreich locker drum herum, den Wurzelhals hinein ins Erdreich, dann einen Gießrand lassen.

Wenn es nach Wosnizek geht, kommen die Kinder später, wenn sie groß sind, zurück an diese Stelle. Dann können sie kurz hinterm Ortsausgang von Groß Schönebeck auf die gewachsenen Fichten zeigen und ihren Freunden erzählen: „Hier, diesen Baum hab ich mal gepflanzt.“

Artikel in der MOZ vom 09.02.2017